Du hast beim Wechsel zum HVH gesagt, dass Handball dein Lebenselixier ist. Was genau macht Handball für dich so extrem bedeutend?
Robin: Handball ist ein extrem harter Sport, erfordert sehr viel Dynamik, Schnelligkeit, Teamgeist, Taktiken und setzt Spielintelligenz voraus. Ständig fallen Tore und nur selten kommt Langeweile auf. 60 Minuten rauf und runter – 60 Minuten Vollgas, Kraft und Ausdauer! Ein 5 Tore Vorsprung oder auch Rückstand sagt bis zur 55. Minute nichts aus! Handball ist einfach ein Teamsport, wo man nur gemeinsam siegt oder verliert. Handball bietet eine bodenständige und oft familiäre Atmosphäre.
Was war ausschlaggebend und der Grund bei deiner Wahl zum HV Herzogenbuchsee zu wechseln? Du hast ja keine Verknüpfung gehabt zum Verein oder grundsätzlich der Schweiz.
Ich wollte einfach neu starten, neue Ziele, komplett neues Umfeld. Ich hatte in Deutschland Angebote ab Oberliga und höher. Letzten Endes entschied ich mich für die Schweiz, um neue, internationale Erfahrungen zu sammeln, andere Trainingsstrukturen kennenzulernen und mich damit selbst auch sportlich weiterentwickeln zu können. Außerdem liebe ich die Berge.
Mein Freund Maik Lawitsch von der Agentur Sport InTouch Management hatte Kontakt mit Lukas (Stalder). Er rief mich an und erzählte, dass der HVH auf der Suche nach einer neuen Nummer 1 im Tor ist. Der HVH suchte einen Goalie – und ich einen Verein. Nach dem Probetraining waren sich beide Parteien einig: passt.
Du bist nun ein paar Monate in der Schweiz. Wie bist du aufgenommen worden und wie fühlst du dich mittlerweile hier in Herzogenbuchsee?
Kurz gesagt: Grandios! Jeder bietet Hilfe an. Lukas besichtigte mit mir Wohnungen und organisierte im Vorfeld Vorstellungsgespräche. Als ich in Deutschland die letzten Formalitäten erledigte, war Jacque mein Mädchen für alles… Ich bin ihr heute noch sehr dankbar für ihre Zeit und Nerven. Mit ihrer Hilfe fand ich auch mein jetziges Zuhause. Adil und Mannschaftskameraden halfen beim Einzug und andere boten ebenfalls Hilfe an. Diese offene Art von jedem Einzelnen erleichtert die Integration – aber ganz angekommen bin ich noch nicht.
Was sind deine positivsten Eindrücke seit deiner Ankunft vom Verein und dem Umfeld?
Mein erster Kontakt zum Probetraining war Sandra (Schneider). Sie holte mich am Flughafen ab und hieß mich im besten Schweizer Dialekt (den sie mir dann ins hochdeutsche übersetzen musste) in der Schweiz willkommen – das war direkt der erste positive Eindruck nach der Landung 😉 Das ist das Schöne hier – manches ist anders als in Deutschland – aber es ist immer einer für mich da und bietet Hilfe an ob Mannschaft, Sportchef, Brigitte, Jana oder Jacqueline Lüthi, Chrigu (Balsiger) oder auch mein Chef Chrigu von der Physiotherapie Keller.
Außerdem wird jeder in die Vereinsarbeit eingebunden, so dass man automatisch Kontakt zu anderen Mitgliedern bekommt und sich daraus neue Kontakte ergeben.
Gibt es etwas, was du so nicht erwartet hättest und überraschend war?
Wie entspannt und herzlich die Leute hier sind! Hier gehen alle – zumindest die meisten – mit einem Lächeln durch den Tag. Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft werden hier ganz groß geschrieben! Das hat mich doch sehr überrascht – ich komme aus dem eher kühlen Norden…
Wie siehst du das spielerische Niveau der 1. Liga in der Schweiz im Vergleich zu deinen letzten Stationen?
Das würde ich etwa in Höhe der Oberliga einstufen. Ist aber schwer einzuschätzen. Es hängt von vielen Faktoren ab so auch vom Gegner, dem Zusammenspiel der Mannschaft und dem Willen zu siegen. Ein ganz großen Anteil an der Spielqualität haben auch die Zuschauer. Nichts spornt eine Mannschaft oder einen Spieler mehr an als die lautstarke Unterstützung von den Rängen! Das fehlt mir hier ein bisschen. Das Laute und die Trommeln… Aber die Mannschaft hat die Fähigkeit ganz oben – und damit auch höherklassig – mitzuspielen! Meine Meinung….
Gibt es Unterschiede von der Spielweise her?
Auf jeden Fall. In Deutschland wird auf jeden Fall körperbetonter agiert. Da wird um jeden Zentimeter gekämpft, hart und leidenschaftlich. Hier ist man fast schon zu brav- das ist mir sofort aufgefallen. In Deutschland spielt man abgezockter, setzt auf den Schiripfiff oder das dieser eben manche Sachen nicht sieht.
Was sind deine Ziele mit dem HV Herzogenbuchsee in dieser Saison?
Ich habe relativ spät die Spiellizenz erhalten und die Saison ist ja nun auch fast gelaufen. Wir kämpfen jetzt nur noch in der Abstiegsrunde um den Klassenerhalt. Mein Ziel wäre es natürlich auch hier unter die ersten Zwei zu kommen – Das sollte immer das Ziel und der Ansporn sein – OBEN mitzuspielen und nach Möglichkeit aufzusteigen!
Was sind deine längerfristigen Ziele als Torhüter und im Handball?
Längerfristig würde ich gern beim HVH bleiben – allerdings mit absoluten Aufstiegsambitionen!
Der Fokus sollte immer auf dem nächsthöheren Ziel liegen und dann auch in den Angriff genommen werden.
Du hast schon ein paar Vereine gesehen in deiner Karriere. Wie siehst du den HV Herzogenbuchsee im Vergleich? Wie erlebst du die Trainingsstruktur und -infrastruktur? Wie siehst du das Umfeld im Verein (Führung, Struktur, …)?
Beim Training fehlt mir speziell das Torwarttraining. In Deutschland ist das Training insgesamt vielseitiger mit Konditions-, Stellungs- und Kraftübungen und ergebnisorientiert. Da wird jede Position speziell trainiert und sehr ernst genommen. Hier ist mehr die Freude am Spiel ausschlaggebend. Mir fehlt manchmal diese Bissigkeit im Spiel und im Training.
Von der Struktur her denke ich, ist der HVH sehr gut aufgestellt. Die Anbindung an den ÖPNV ist sehr gut, die Bereitschaft der Mitglieder Aufgaben zu übernehmen auch. Es wird hier der Zusammenhalt – auch durch gemeinsame Unternehmungen oder Veranstaltungen – gepflegt und bewahrt, was für mich wichtige Voraussetzungen für einen gesunden Verein sind.
Was ist dein Lieblings Schweizer Essen (was du vorher noch nicht gekannt hast)?
Oooohhh Essen … neben Handball mein Lieblingsthema 😉
Seit ich in der Schweiz bin ist mein Lieblingsessen ganz klar: Raclette!
Kannte/ mochte ich vorher nicht. Wir Deutsche können das nicht – Es sei denn, man hat die Schweizer Anleitung. Das muss man hier erlebt und gelernt haben.
Gravierende Unterschiede in der Küche direkt gibt es sonst nicht – nur die Namen sind teilweise anders wie Gnagi (bei uns Eisbein). Hier gibt es oft Geflügel oder Rind – in Deutschland eher Schwein.
Gab es etwas kulinarisch Spezielles/für dich eigenartiges?
Die letzten beiden Fragen können wir zusammenziehen. Das kulinarisch Speziellste und Eigenartigste war für mich der Besuch der Kleinbrauerei Faex. Ein absolutes Highlight! Ich bin kein doller Biertrinker oder -kenner, aber was hier gebraut wird! Alle Achtung! Brennnesselbier, Holunderbier oder andere ausgefallene Sorten – da ist das Altbier beinahe normal. Aber vom Geschmack sind alle SENSATIONELL! Und damit auch ein willkommenes Mitbringsel für die Heimat!
Gibt es, neben oben bereits erwähnten, ein Schweizer Bier, welches du auch einem deutschen Bier bevorzugen, oder sagen mir mal gleichstellen würdest?
Am besten schmeckt ein Bier in den Bergen nach einem Aufstieg – oder einem Sieg! Es darf nur nicht herb sein….. dann genieße ich nach Möglichkeit das HVH-Bier oder auch das Burgdorfer.
