Déjà-vu in der Hard – Oberaargauerinnen bringen den BSV erneut ins Wanken
Nur wenige Tage nach dem ersten Duell mit dem BSV Bern kam es in der Langenthaler Hard bereits zum Rückspiel. Die Erinnerungen an das Hinspiel waren noch frisch: Damals hatten die Oberaargauerinnen den Favoriten über weite Strecken gefordert und die Partie erst spät aus der Hand gegeben. Diesmal sollte sich ein erstaunlich ähnlicher Spielverlauf entwickeln. Am Ende stand zwar erneut eine Niederlage, diesmal mit 25:33, doch das Resultat erzählt nur einen Teil der Geschichte.
Ein vorsichtiger Beginn
Die Partie begann mit einem langen, vorsichtigen Abtasten. Keine der beiden Mannschaften wollte dem Gegner früh einfache Fehler schenken, beide suchten zunächst nach Sicherheit und Kontrolle. Bern kam mit der Hypothek einer Cupniederlage vom Wochenende, die Oberaargauerinnen mit dem Selbstvertrauen aus dem Heimsieg gegen Stans/Altdorf. Trotzdem wirkte der Beginn auf beiden Seiten nervös. Technische Fehler, ungenaue Abschlüsse und ein eher verhaltener Spielaufbau prägten die ersten Minuten. Es dauerte mehr als fünf Minuten, bis endlich der erste Treffer fiel und die Begegnung langsam Fahrt aufnahm.
Danach entwickelte sich ein offener Schlagabtausch. Mal legte Bern vor, mal die Oberaargauerinnen, immer wieder folgte die direkte Antwort. Keine Mannschaft konnte sich entscheidend absetzen. Die Gastgeberinnen setzten erneut auf die Variante mit vier Rückraumspielerinnen. Noch funktionierte nicht jede Auslösung tadellos, und vor allem zu Beginn wurde das Tempo im Angriff teilweise zu früh herausgenommen, was Bern die defensive Arbeit erleichterte. Dennoch zeigte sich mit zunehmender Spieldauer immer deutlicher, dass die Grundidee funktionierte.
Die Oberaargauerinnen fanden besser in ihren Rhythmus, spielten mutiger und zielstrebiger und standen gleichzeitig defensiv sehr kompakt. Immer wieder wurde Bern zu Fehlern gezwungen, mehrfach konnten Bälle gewonnen und Gegenangriffe eingeleitet werden. Nach gut 20 Minuten gelang es den Gastgeberinnen erstmals, sich etwas abzusetzen. Sie wirkten nun sicherer, fanden offensiv zunehmend Lösungen und hielten Bern defensiv auf Distanz. Mit einer verdienten 13:12-Führung ging es schliesslich in die Halbzeitpause.
Bern stellt um – die Oberaargauerinnen finden die Antwort
Nach dem Seitenwechsel reagierte Bern und stellte die Abwehr um. Statt der gewohnten 6:0-Formation wurden zwei Oberaargauer Rückraumspielerinnen offensiv in Personendeckung genommen. Für kurze Zeit zeigte diese Umstellung Wirkung. Die Gastgeberinnen verloren etwas die Ordnung, die gewohnten Räume waren plötzlich weg und Bern nutzte die entstandene Unsicherheit, um sich auf drei Tore abzusetzen.
Doch die Antwort der Oberaargauerinnen folgte schnell.
Sie nahmen die Torhüterin heraus und brachten eine siebte Feldspielerin. Da Bern weiterhin zwei Rückraumspielerinnen offensiv deckte, entstand im verbleibenden Abwehrblock eine 5-gegen-4-Situation. Genau diese Überzahl nutzten die Gastgeberinnen konsequent. Der Rückstand schmolz Tor um Tor, die Partie öffnete sich wieder und kurz darauf stand es erneut 19:19.
Fast exakt wie im Hinspiel war das Spiel damit nach rund drei Vierteln der Spielzeit wieder völlig offen.
Fünf Minuten entscheiden die Partie
Genau in dieser Phase fiel dann die Entscheidung. Die Oberaargauerinnen erspielten sich weiterhin gute Möglichkeiten, doch der Ball wollte plötzlich nicht mehr ins Tor. Abschlüsse landeten an Pfosten oder Latte, andere direkt bei der Berner Torhüterin. Die Chancen waren da, die taktischen Lösungen ebenfalls, doch die Effizienz fehlte.
Bern zeigte auf der Gegenseite genau jene individuelle Klasse, die ein Spitzenteam in solchen Momenten auszeichnet. Während die Oberaargauerinnen ihre Möglichkeiten liegen liessen, nutzten die Gäste ihre Abschlüsse konsequent. So wurde aus dem 19:19 innerhalb weniger Angriffe ein 19:24.
Diese Phase entschied letztlich die Partie. Nicht, weil die Oberaargauerinnen keine Lösungen mehr fanden oder taktisch auseinander gespielt wurden, sondern weil die eigenen Chancen nicht genutzt wurden und Bern die Fehler auf der Gegenseite konsequent bestrafte. Danach war der Widerstand zwar nicht gebrochen, doch der Rückstand erwies sich als zu gross, um die Partie nochmals zu drehen.
Die Statistik erzählt dieselbe Geschichte
Auch die Zahlen unterstreichen diesen Eindruck. Die Oberaargauerinnen leisteten sich mit 16 technischen Fehlern sogar weniger Ballverluste als Bern mit 18. Der entscheidende Unterschied lag vielmehr in der Abschlussquote. Während Bern 62 Prozent seiner Würfe verwertete, kamen die Gastgeberinnen lediglich auf 50 Prozent.
Gerade in der entscheidenden Phase nach dem 19:19 machte sich dieser Unterschied deutlich bemerkbar. Die Oberaargauerinnen fanden weiterhin zu Abschlüssen, brachten diese aber nicht konsequent genug im Tor unter. Bern wiederum nutzte genau jene Momente, in denen das Spiel auf der Kippe stand.
Das Resultat fällt zu deutlich aus
Am Ende stand ein 25:33 auf der Anzeigetafel – ein Resultat, das deutlicher aussieht, als es die Partie über weite Strecken war. Denn zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage gelang es den Oberaargauerinnen, den Favoriten während rund drei Vierteln des Spiels nicht nur zu beschäftigen, sondern ernsthaft zu fordern.
Dieses Mal konnte auch kaum noch von einem Überraschungseffekt gesprochen werden. Bern wusste, was auf sie zukommt, reagierte während des Spiels taktisch und fand dennoch lange keine endgültige Lösung gegen die Gastgeberinnen.
Die Oberaargauerinnen verteidigten kompakt, spielten taktisch variabel und hielten das Spiel lange offen. Am Ende entschied vor allem die individuelle Klasse und Effizienz der Bernerinnen in den entscheidenden Momenten.
Eine Niederlage mit klarer Erkenntnis
Zwei Spiele gegen den BSV Bern, zweimal lange auf Augenhöhe und zweimal ein 19:19 in einer entscheidenden Phase. Die Erkenntnis aus diesen beiden Begegnungen ist deshalb klarer denn je: Die Oberaargauerinnen können den BSV nicht nur ärgern, sondern ihm über lange Strecken ernsthafte Probleme bereiten.
Der nächste Entwicklungsschritt ist nun ebenso klar: Solche Spiele sollen nicht nur 45 oder 47 Minuten lang offen gehalten werden. Irgendwann müssen sie auch über die gesamte Distanz gewonnen werden.
Eine intensive Woche geht zu Ende
Diese englische Woche hatte es in sich. Drei Spiele in nur zehn Tagen verlangten den Oberaargauerinnen einiges ab – körperlich, taktisch und mental. Umso mehr darf die Mannschaft auf das zurückblicken, was sie in diesen Tagen geleistet hat.
Auch wenn nicht jede starke Leistung mit Punkten belohnt werden konnte, zeigte das Team über alle drei Partien hinweg viel Leidenschaft, Einsatzbereitschaft und Entwicklung. Gerade deshalb richtet sich nach dieser intensiven Phase auch ein grosses Lob an die Mannschaft, die trotz der hohen Belastung immer wieder bereit war, alles auf dem Feld zu lassen und sich auch gegen starke Gegner nicht zu verstecken.
Unter dem Strich stehen die Oberaargauerinnen nach diesen turbulenten Tagen weiterhin solide da. Die Spiele, die gewonnen werden mussten, konnten gewonnen werden, während man gegen den BSV Bern gleich zweimal über lange Strecken auf Augenhöhe agierte und nur knapp daran vorbeischrammte, sich für die starken Auftritte noch stärker zu belohnen.
Nun kommt das spielfreie Wochenende zur richtigen Zeit. Die Mannschaft kann erstmals wieder etwas durchatmen, Kräfte sammeln und die vergangenen Tage verarbeiten, bevor es am 1. November mit dem nächsten Meisterschaftsspiel weitergeht. Dann gastiert Servette in der Langenthaler Hard.
Sollten die Oberaargauerinnen an die Leistungen dieser englischen Woche anknüpfen und sich bis dahin nochmals einen Schritt weiterentwickeln können, dürfen sich die Genferinnen auf einen intensiven Abend einstellen.
Telegramm
22.10.2026 F2-04 / Spiel 1572
Langenthal Hard
SG Handball Oberaargau – SG Stans/Altdorf 25:33 (13:12)
35 Zuschauer
Schiedsrichter: Guido Lämmler
Coach: M. Özkilic
Aufstellung: F. Straub (29%), A. Billeter (28%); L. Kneubühler, L. Graber (7), L. Staub (2), R. Leibundgut (2), L. Aikhionbare (2), A. Schröer (1), A. Gugelmann (8), G. Costa, K. Chmielnicka, A. Lohm (1), L. Haenni (2)