Nach Halloween folgt der nächste Schrecken – Oberaargauerinnen dominieren Servette
Am 31. Oktober treibt Michael Myers traditionell sein Unwesen in Haddonfield. Einen Tag später waren es die Oberaargauerinnen, die in der Langenthaler Hard für Unruhe sorgten – und die Gäste aus Genf schliesslich ohne Punkte und ohne Süssigkeiten wieder nach Hause schickten.
Mit einem deutlichen 29:16-Heimsieg setzte die SG Handball Oberaargau ein weiteres Ausrufezeichen und überzeugte dabei vor allem mit einer beeindruckenden Defensivleistung in der zweiten Halbzeit.
Wieder einmal den Start verschlafen
Wie schon in den vergangenen Spielen brauchten die Oberaargauerinnen einige Minuten, um richtig in der Partie anzukommen. Nach nicht einmal zwei Minuten lag Servette bereits mit 0:2 vorne. Ein Bild, das mittlerweile beinahe bekannt wirkt: Oberaargau benötigt zu Beginn etwas Zeit, ehe die Mannschaft ihren Rhythmus findet und das Spiel an sich reisst.
Doch auch diesmal liessen sich die Gastgeberinnen vom frühen Rückstand nicht beeindrucken. Schritt für Schritt fanden sie besser in die Partie, stabilisierten ihre Defensive und kamen offensiv zunehmend zu ihren Möglichkeiten. Es entwickelte sich zunächst ein offener Schlagabtausch, in dem beide Teams immer wieder vorlegten und ausglichen.
Nach rund zwölf Minuten übernahmen die Oberaargauerinnen erstmals die Führung – und sollten sie bis zum Schlusspfiff nicht mehr aus der Hand geben.
Servette kam nach gut 23 Minuten nochmals etwas näher heran, doch Oberaargau behielt die Ruhe, spielte konzentriert weiter und nahm schliesslich eine verdiente 15:11-Führung mit in die Pause.
Die Defensive wird zur Festung
Die Halbzeitansprache war klar: Defensiv stand die Mannschaft bereits kompakt, doch der Zugriff sollte noch konsequenter werden. Servettes gefährlichste Akteurin sollte noch stärker aus dem Spiel genommen und der gesamte Genfer Angriff dadurch weiter unter Druck gesetzt werden.
Was danach folgte, war eine defensive Machtdemonstration.
Die Oberaargauerinnen verschoben geschlossen, halfen sich gegenseitig und liessen kaum noch freie Räume zu. Servette fand praktisch keine Lösungen mehr gegen die kompakte Abwehr und wurde immer wieder zu schwierigen Abschlüssen oder technischen Fehlern gezwungen.
Fast zehn Minuten dauerte es, bis die Gäste in der zweiten Halbzeit erstmals trafen. In den ersten rund 15 Minuten nach Wiederanpfiff gelang Servette gerade einmal ein einziges Tor.
Die Langenthaler Hard wurde in dieser Phase zur Festung. Ähnlich wie Minas Tirith in „Der Herr der Ringe“ hielt auch sie dem Ansturm stand – Servette rannte immer wieder an, fand aber keinen Weg durch die Oberaargauer Defensive.
Kontrolle über die gesamte zweite Halbzeit
Während hinten praktisch nichts mehr zugelassen wurde, bauten die Gastgeberinnen ihren Vorsprung vorne Schritt für Schritt aus. Auch wenn offensiv längst nicht jede Chance genutzt wurde und einige klare Möglichkeiten liegen blieben, geriet die Partie zu keinem Zeitpunkt mehr in Gefahr.
Die Oberaargauerinnen kontrollierten das Geschehen, spielten ihre Angriffe geduldig aus und liessen Servette nie mehr zurück ins Spiel kommen. Die Gäste wirkten zunehmend ratlos, während Oberaargau das Tempo und den Rhythmus der Partie bestimmte.
Insgesamt erzielte Servette in der gesamten zweiten Halbzeit lediglich fünf Treffer.
Dass dies nicht auf eine überragende Einzelaktion zurückzuführen war, machte die Leistung umso stärker. Die etatmässige erste Torhüterin Flavia fehlte verletzt, doch ihre Vertreterin Alja machte einen soliden Job und konnte sich auf eine Feldabwehr verlassen, die den Gegner über weite Strecken gar nicht erst zu qualitativ guten Abschlüssen kommen liess.
Auch die Zahlen sprechen für sich
Die Statistik unterstreicht die Überlegenheit der Oberaargauerinnen. Mit lediglich 11 technischen Fehlern blieb das Heimteam deutlich unter dem Wert von Servette, das sich deren 19 leistete.
Auch offensiv zeigte sich Oberaargau effizienter. 69 Prozent Wurfquote gegenüber 57 Prozent bei den Gästen sprechen eine deutliche Sprache.
Und dennoch blieb auch dort noch Luft nach oben. Mehrere gute Abschlussmöglichkeiten wurden nicht genutzt – ein Hinweis darauf, dass selbst beim klaren 29:16 noch Verbesserungspotenzial vorhanden war.
Verdient zurück auf Rang drei
Am Ende stand ein hochverdienter 29:16-Erfolg, mit dem die Oberaargauerinnen nicht nur zwei weitere wichtige Punkte einfahren, sondern auch wieder auf Rang drei der Tabelle klettern.
Nach fünf Meisterschaftsspielen stehen damit drei Siege zu Buche. Die beiden Niederlagen stammen aus den Begegnungen mit dem BSV Bern, in denen Oberaargau jeweils über lange Phasen auf Augenhöhe agierte.
Gegen die direkten Konkurrenten bleibt die Bilanz hingegen makellos: Lyss, Stans/Altdorf und nun auch Servette wurden allesamt bezwungen.
Halloween war zwar bereits vorbei – doch für die Gäste aus Genf dürfte sich besonders die zweite Halbzeit noch eine Weile wie ein kleiner Albtraum angefühlt haben.
Knaller am nächsten Wochenende
Viel Zeit zum Ausruhen bleibt den Oberaargauerinnen allerdings nicht. Bereits am kommenden Samstag, 7. November, wartet in der Langenthaler Hard der nächste echte Prüfstein: RG Vaud La Côte 1 gastiert im Oberaargau.
Die Waadtländerinnen stehen aktuell auf Rang zwei und damit zwei Punkte vor den Oberaargauerinnen – allerdings bei einem bereits zusätzlich absolvierten Spiel. Auf dem Papier geht Vaud La Côte damit leicht favorisiert in die Partie.
Doch die vergangenen Wochen haben gezeigt, dass die SG Handball Oberaargau längst nicht mehr nur gegen direkte Konkurrentinnen bestehen kann. Gelingt es der Mannschaft, an die starken Leistungen der letzten Spiele anzuknüpfen, defensiv erneut so kompakt aufzutreten und offensiv nochmals eine Schippe draufzulegen, dürfte auch gegen die Waadtländerinnen einiges möglich sein.
Nach dem Sprung auf Rang drei wartet damit bereits die nächste Gelegenheit, zu zeigen, wie weit die Entwicklung der neu formierten Mannschaft inzwischen tatsächlich fortgeschritten ist.
Telegramm
01.11.2026 F2-04 / Spiel 1580
Langenthal Hard
SG Handball Oberaargau – SG – Servette 1 29:16 (15:11)
50 Zuschauer
Schiedsrichter: Stefan Kurth
Coach: M. Özkilic
Aufstellung: A. Billeter (28%); S. Bölsterli (2), L. Graber (6), L. Staub (4), D. Muntean, L. Aikhionbare (3), A. Schröer (2), A. Gugelmann (9), G. Costa (1), K. Chmielnicka (1), A. Lohm, L. Haenni (1)